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Die fünf Stufen zur Weltwirtschaftskrise

Da spielt im Januar dieses Jahres das größte Bankinstitut der USA, die Citigroup, mit Hypotheken wie ein Zocker im Casino mit seinen Chips – und ein paar Monate später stürzt die Welt in den finanziellen Ruin:

1. Stufe:
Am 15. Januar 2008 hängt die Citigroup den Verlust von fast zehn Milliarden Dollar an die große Glocke, am 18. verspricht der amerikanische Präsident George W. Bush Hilfe in Form von Steuergutscheinen und drei Später nimmt das Fiasko seinen Lauf an der Börse: Der DAX fällt um sieben Prozent, Jerome Kerviel, Mitarbeiter der französischen Großbank Societe Generale, stielt dem Unternehmen beim Zocken gnadenlos gute 50 Milliarden Euro und an der Wall Street handelt niemand!

2. Stufe:
Am 15. März meldet James Cayne, Chef der Investmentbank Bear Stearns, dass er nach Jahren voller Erfolg an der Börse nun vor dem Ruin stehe: Milliarden seien durch unsichere Hypotheken auf der Strecke geblieben.

3.Stufe:
Im September treffen drei Ereignisse zusammen: Die beiden US-amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sollen verstaatlicht werden, die Investmentbank Lehman Brothers meldet Insolvenz an, was wahrscheinlich als wichtigste Zäsur in diesem Krisenjahr gelte, und mit über 60 Milliarden Euro wird die Hypo Real Estate Ende des Monats gerade noch einmal gerettet.

4. Stufe:
Der Oktober ist von Angst in der Bevölkerung geprägt, Island versinkt in der Katastrophe und der US-Senat beschließt ein Rettungspaket von über 700 Milliarden Dollar.

5. Stufe:
Ende Oktober erreicht auch Deutschland die Rezession; die Lage eskaliert: Autohersteller schicken ihre Mitarbeiter nach Hause, Opel muss um Geld betteln gehen, Banken geben kaum noch Kredite, der Immobilienmarkt geht drastisch zurück und immer mehr Konjunkturpakete werden ins Land geschickt.

Gewinner und Verlierer der Finanzkrise

Das Krisenjahr 2008 brachte nicht nur zahlreiche Verlierer mit sich, einige Investoren und Unternehmen profitierten auch davon. So mussten zwar die Bankenchefs Georg Funke von der Hypo Real Estate, Daniel Bouton von der Societe Generale, Hans Berger von der HSH Nordbank AG und Richard Fuld von der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers Inc. ihren Platz räumen, doch dagegen zählte die weltgrößte Fast-Food-Kette McDonald’s zu den ganz großen Gewinnern: Ein Plus von stolzen elf Prozent hieß die Bilanz im dritten Quartal dieses Jahres. Jim Skinner, Chef der Schnellrestaurantkette, betitelte sein Unternehmen als „rezessionsfest”. Während Jerry Yang, Gründer der Suchmaschine Yahoo!, eine Übernahme von Microsoft abwehrte, eine sich nicht auf eine Kooperation mit seinem Konkurrenten Google einigen konnte und sich infolgedessen vom Chefsessel es Unternehmens verdrücken musste, schossen die Aktien der von dem ohnehin schon milliardenschweren Warren Buffett geführten Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway mit einem Gewinn von 36 Prozent in die Höhe. Dennoch sei der reichste Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von 62 Milliarden Dollar aufgrund seiner Investitionen bei Goldman Sachs wieder um einiges ärmer als vor der Finanzkrise.

Dagegen können sich japanische Banken ins Fäustchen lachen: Während ihre amerikanischen, britischen und deutschen Partner mit der Existenz zu kämpfen haben, kauft die Nomura Holdings gelassen die Investmentbanksparte der insolventen Lehman Brothers und die Mizuho Financial Group erweitert ihre Anteile an der Bank of America. Auch die New Yorker Bank Morgan Stanley sah sich gezwungen, 20% an die Mitsubishi UFJ Holdings zu verkaufen. Weitere Gewinner sind der günstige Mini-Notebook-Hersteller Acer und John Thain, Chef des Finanzdienstleistungsunternehmens Merrill Lynch & Co. (ML).

Anklage gegen Hypo Real Estate

Am 16. Dezember stürmten 65 Polizisten, 15 Staatsanwälte und zwei Beamte der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Büros der Zentrale der Bankenholding Hypo Real Estate (HRE): Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat Anklage bei der Staatsanwaltschaft München gegen das Unternehmen bzw. gegen seinen bereits zurückgetretenen Chef Georg Funke, gegen den Vorstandskollegen Bo Heide-Ottosen und gegen fast den ganzen Aufsichtsrat der HRE erhoben.

Ihnen werden Veruntreuung, Marktmanipulation, Verschleierung der Notlage der Bank sowie Täuschung der Aktionäre und Öffentlichkeit vorgeworfen, weil das Unternehmen bereits während der Finanzkrise stets beteuerte, davon nicht betroffen zu sein. Damit verfälschte es vorsätzlich den Aktienkurs an der Börse. Die Beweissammlungen, Beschlagnahmungen verschiedensten Materials und die Sicherung elektronischer Daten werden wohl noch mehrere Monate andauern, bis über eine endgültige Anklage entschieden werden kann, so Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld.

Mit diesem Coup leitet die Staatsanwaltschaft das dritte Verfahren gegen deutsche Finanzinstitute ein: Bereits im August dieses Jahres waren Wohnungen von fünf Ex-Vorstandsmitgliedern der Landesbank Sachsen (Sachsen LB) durchsucht worden, bereits zwei Monate später schlugen Ermittler bei der KfW Bankengruppe zu. Innerhalb eines Jahres fiel der die Aktie der Hypo Real Estate von 37 Euro auf momentan nur drei Euro und bescherte ihr damit den Ausschluss aus dem Deutschen Aktienindex (DAX) und die Degradierung zum MDAX für lediglich mittelständische Unternehmen.

Zwar geriet der Vorsitzende Georg Funke wegen mangelhafter Informationspolitik stark in die Kritik, doch werden ihn diese Umstände bei einem 2006 Geschäftsbereich der HRE kalkulierten Fixgehalt von 800.000 Euro und einer Gesamtvergütung von 3,1 Millionen Euro wohl ziemlich kalt lassen.

Einkaufsflaute zur Weihnachtszeit bleibt aus

Der Handel in Deutschland, Österreich, Italien und vielen weiteren Ländern scheint höchst zufrieden mit der Einkaufsfreude der Verbraucher zur Weihnachtszeit. Trotz Krisenjahr und befürchteter Resignation vor Weihnachten kaufen die Menschen auch dieses Jahr wieder eifrig Weihnachtsgeschenke – und mancherorts sogar mehr, als in den vergangenen Jahren. Schon in der Adventszeit sei das Geschäft zufrieden stellend gewesen, meinte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Einen Boom durfte wieder die Unterhaltungsbranche verzeichnen: Mp3-Player, Flachbildfernseher, Digitalkameras und Spielkonsolen sind dabei der Hauptanlaufgrund und die Händler konnten sogar eine positive Bilanz von zwei Prozent zum Vorjahr verbuchen.

Der große Kaufrausch blieb in Großbritannien trotz drastischer Senkung der Steuer zur Vorweihnachtszeit aus. Schon vor den Feiertagen lockten vielerorts die Geschäfte mit Rabatten von bis zu 50 Prozent, für Heiligabend sind sogar Preisreduzierungen bis 90 Prozent zu erwarten.

Zu kurz kam dieses Jahr auch die Tourismusbranche nicht: Trotz Finanzkrise und hoher Energiepreise zur Jahresmitte blieben die Weihnachtsflüchtlinge in die Karibik und auf die Malediven nicht aus.

Auch in Slowenien und Bulgarien sei man zufrieden, so Ljubljanas Zeitung „Delo” und der Arbeitgeber- und Industrieverband. Lediglich Frankreich kann sich noch nicht über die Weihnachtszeit im Handel freuen; vor allem im Textilbereich fehlt es an Kunden. Wahrscheinlich kann sich dort nur einer wirklich freuen: dem deutschen Discounter Lidl mit seinen Filialen in Frankreich bescherte das diesjährige Weihnachtsfest weit bessere Einnahmen als erwartet.

Die Weltwirtschaftskrise hat womöglich also die Geldbeutel der Verbraucher noch nicht erreicht; bisher haben nur einige ganz großen Unternehmen und Einzelhändler ein deutliches Minus feststellen müssen, der Normalverbraucher jedenfalls will sich davon das Weihnachtsfest nicht vermiesen lassen.